Schriften zur Kunst; Teil 1.
Text nach der Ausgabe München 1913/14 mit weiteren Texten aus Zeitschriften und dem Nachlaß, einer einleitenden Abhandlung und einer Bibliographie, herausgegeben von GOTTFRIED BOEHM. Reihe Bild und TExt.

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Buchbeschreibung
München : Fink, 1991.
2. verb. u. erw. Aufl.
Originalbroschur. XCVII, 277 S.
ISBN-10: 3770525817 (3-7705-2581-7)
ISBN-13: 9783770525812 (978-3-7705-2581-2)
Einband ganz leicht berieben, sonst sehr gutes Ex. - Konrad Fiedler bildet in der Geschichte der europäischen Kunstreflexion einen neuen Typus des Denkens aus. Er gehört zu denjenigen, welche die Ästhetik mit der konkreten Kunsterfahrung zu vermitteln suchen, ohne damit aber theoretische Ansprüche aufzugeben. Im Gegenteil: um solche Ansprüche einzulösen. Seine Biographie spielt sich jenseits der akademischen Schulphilosophie ab, zu der er sich niemals gerechnet hat. Fiedler wurde am 23. September 1841 in Öderan als Sohn einer jüdischen Industriellenfamilie geboren. Sein Vater zog sich schon früh aus den Geschäften zurück auf das Rittergut Crostewitz bei Leipzig, das er 1 846 gekauft hatte. Neben bedeutenden materiellen Gütern scheint der Vater dem Sohn auch seine sensible psychische, zur Melancholie neigende Konstitution vererbt zu haben. Sein früher Tod (1854) in einer Nervenheilanstalt wird zu den prägenden Ereignissen im Leben des jungen Fiedler zu rechnen sein. Nach anfänglicher Privaterziehung besuchte Konrad Fiedler 1856-1861 die Fürstenschule in Meißen. Danach studierte er in Lausanne, Heidelberg, Berlin und Leipzig Jurisprudenz, promovierte mit "Geschichtlichen Studien über das ius reformandi" und machte 1865 das Staatsexamen. Nach kurzer Praxis in einer Rechtsanwaltskanzlei in Leipzig gab er den Beruf eines Juristen auf und lebte als reisender Kunstschriftsteller, Sammler und Mäzen (vor allem von Hans von Marées). Sein kunstphilosophisches Konzept von der Autonomie der Kunst, das er seit seiner Studentenzeit in der Auseinandersetzung mit Kant, der psychophysiologischen Kant-Interpretation und Schopenhauer entwickelt hatte, ließ ihn das künstlerische Leben seiner Zeit nur mit großem Widerwillen sehen. Der Historienmalerei, aufgeblasener Dekorationskunst, der gleichgültigen Liebhaberei, die in erbaulichen Stilzitaten schwärmt, kurz, der Kunst in einer Randstellung zum Leben setzte er das Programm einer Kunst gegenüber, die nicht nur beiläufiges Ornament wissenschaftlicher Erkenntnisleistungen sein soll, sondern eine eigene, legitime Art von Erkenntnis. Hieraus motiviert sich auch sein Verhältnis zur Geschichte der Kunst und Kunsttheorie: Wenn Kunst Erkenntnis ist, muß die Entwicklung der Kunsttheorie und Ästhetik primär unter dem Eindruck des Versagens gesehen werden, weil sie unter dem Eindruck des Platonismus zwischen Erkenntnis und künstlerischem Tun streng geschieden und letzteres dem Begriff untergeordnet hat. Damit verbindet sich sein Verzicht auf eine Ästhetik allgemeinsten Anspruchs. Was er diskutiert, gehört dem bildnerischen Felde zu, ist Theorie dessen, wofür das Auge und die gestaltende Hand die entsprechenden Organe sind. Fiedlers Theorie war von ihm selbst gegen einen falschen Allgemeinheitsanspruch, d.h. die Leerformeln und Kunstferne der älteren Ästhetik gerichtet. Innerhalb seiner Zeit favorisierte er eine bildnerische Arbeit, die in einem anschaulichen Erkenntnisprozeß das Sichtbare zu einem in sich evidenten Bild werden läßt. Das überzeugendste Beispiel dafür war vermutlich Hans von Marées. Nach seinem frühen Tod 1891 zeigte sich aber, daß seine Theorie eine vorzügliche Grundlage auch der abstrahierenden und der abstrakten Kunst darstellt, die er selbst nicht erlebt hat. Die Einflüsse seiner Schriften begleiteten von da an die Kunstentwicklung der Moderne. Paul Klees berühmtes Diktum: "Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar" ist ganz aus Fiedlerschem Geist gesprochen. Es läßt sich zeigen, daß die Moderne, besonders abstrakte Kunst, bis in die Gegenwart Fiedler als einen klassischen Autor gesehen und adaptiert hat. ISBN 9783770525812
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